Weihnachtsgruss von Pfarrer Bernhard Gewers

Liebe Gemeinde,

Alle Religionen suchen und ersehnen die Nähe Gottes. Und tatsächlich – er bleibt nicht in fernen Himmeln als ein fremdes diffuses Etwas. Er ist keine blinde Schicksalsmacht, die in den Sternen steht und nach Horoskopmanier Glück oder Unglück bringen mag.

Nein, unser Gott ist eine konkrete Person, die sich schon dem Volk Israel mit Namen vorgestellt hat – Jahweh, der „ich bin da“. Im Stall von Bethlehem wird Gott noch greifbarer, noch menschlicher als einer von uns geboren.

Gott selbst hat Sehnsucht nach dem Menschen, auf dass wir ihn finden mögen – nicht im fernen Nirvana, sondern hier auf Erden.

Schon in der Bhagavadgita, ca. 200 v. Christus, dem sogenannten Neuen Testament der Hindus wird diese Bewegung von oben nach unten sichtbar. Die drei Götter im „hinduistischen Himmel“ Brahma, Vishnu und Shiva halten Rat, wie die karmaverstrickte Welt aus dem Kreislauf der Wiedergeburten gerettet werden könne. So steigt Vishnu schließlich in Menschengestalt als Gott Krishna auf die Erde herab. Diese Herabkunft wird in der indischen Theologie „Avatara“ genannt. Der Avatara Krishna ist die indische Heilsgottheit, die im Hinduismus dem Menschen am nächsten kommt. Wer ihm folgt und ihn verehrt, wird gerettet aus dem irdischen Leid, so die Bhagavadgita.

Also auch in Fernost gibt es die Vorahnung des religiösen Menschen, dass Gott uns näherkommen will. Gott selbst ergreift die Initiative und schenkt dem suchenden Menschen Gnade und Rettung.

Das sind weihnachtliche Vorklänge in anderen Religionen. Letztlich zielen diese Wege auf das Christusgeheimnis: Wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person. Das wollen wir trotz Corona auch in diesem Jahr 2021 würdig feiern.

Ihnen allen, auch im Namen meiner Mitarbeiter/innen in allen drei Gemeinden im Pastoralen Raum Spandau Süd wünsche ich ein gesegnetes und erfülltes Weihnachtsfest und ein glückliches Neues Jahr.

Ihr Pfarrer Bernhard Gewers