Warum wir weiterhin keine Gottesdienste feiern

Nachdem im Pfarrgemeinderat beraten und bedacht wurde, haben wir als pastorale Leitung entschieden, keine ab dem 09.05. möglichen gemeinsamen Feiern von Gottesdiensten in unseren Kirchen anzubieten.

Uns liegt an einer gemeinsamen Entscheidung aller Pfarreien im Pastoralen Raum Spandau-Süd. Mariä Himmelfahrt in Kladow wird am 01. Mai beraten. Nachdem St. Markus mit Pfarrer Gewers bereits votiert hat, keine Hl. Messen unter den Vorgaben des Schutzkonzepts des Generalvikars anzubieten, haben auch wir für den Bereich unserer Pfarrei entschieden, keine Gottesdienste in dieser möglichen Form und Vorgabe anzubieten.

Wir wollen darlegen, welche Argumente und Gedanken uns dazu bewegen; immer in dem Wissen, dass diese nur in der jetzigen Situation richtig sind.

1. Wir wollen nicht Anlass und Ursache für Infektionen sein. Ein erschreckender Gedanke wäre es für uns, dass ein Mitmensch schwer erkrankt, weil er eine Einladung von uns zum Gottesdienst angenommen hat. Für uns als Gemeinde bedeutet dies, Verantwortung für den Nächsten, über unsere eigenen Interessen und Wünsche hinaus, zu übernehmen.

2. Die Senatsregelung, die den Religionsgemeinschaften öffentliche Gottesdienste unter strengen Auflagen erlaubt, ist bis zum 10.05. befristet. Wie eine neue Regelung aussehen wird, kann niemand zum jetzigen Zeitpunkt verlässlich sagen. Wie in allen Lebensplanungen zur Zeit teilen auch wir als Pfarrei Unsicherheit. Diese wollen wir aber geduldig tragen im Wissen darum, dass Gott auf unseren Wegen Segen gibt und auch diese komplizierte Zeit SEINE Zeit ist.

3. Die Feier der Eucharistie ist Feiern in Gemeinschaft: die des Herrn mit uns, aber auch die der aktiv Mitfeiernden. Wir teilen die Meinung von St. Markus, dass eine solche „Corona-Messe“ aus dieser Sicht unpassend und in ihrer Ausführbarkeit unwürdig ist.

Der Hunger nach der Eucharistie ist in uns allen. Die geistliche Kommunion können wir immer und an allen Orten suchen und finden. Die offenen Kirchen am Sonntag bieten im Besonderen dafür die Möglichkeit; indem wir vor dem Tabernakel betend, Gemeinschaft und Segen finden.

4. Pfarrer Weimann, als zur Zeit einzig zur Verfügung stehender Priester, gehört selber einer Hochrisikogruppe an. Ebenso ein Teil der Lektoren, Küster und Gottesdienstbeauftragten. Welches Gut ist so hoch, von jenen Menschen zu erwarten, sich ohne zwingende Not einem solchen Risiko auszusetzen?

5. Wir erleben alle in unserem Leben in der Massenepidemie, dass vieles nicht mehr möglich ist. Verzicht ist uns allen abverlangt. Besonders den Menschen, die ihre Arbeit verloren haben oder in Kurzarbeit sind, die als Wohnungslose in unserem Stadtteil leben, Alte in den Heimen, die auf den Besuch ihrer Familien verzichten müssen …. Ihnen fallen bestimmt noch viele andere Beispiele ein.

Für uns ist dies auch eine geistliche Anfrage, wie Kirchenvertreter und die Gemeinden vor Ort sich zu dieser gesellschaftlichen Situation positionieren: suchen sie Wege, ihre eigenen Interessen durchzusetzen und Privilegien zu erlangen, die anderen Gruppen verwehrt sind – oder stellen sie sich mit und in ihrem Leben an die Seite derer, denen es an Unterschiedlichem mangelt, die leiden an Perspektivlosigkeit, fehlender Nähe und Ohnmachtserleben? Kann der Verzicht auch ein Zeichen der Solidarität sein? Wir empfinden es so.

Sicherlich werden wir in 14 Tagen wieder anders gemeinsam auf die Situation schauen müssen. Es ist ein Hangeln von Woche zu Woche, zu schnell ändern sich die Gegebenheiten.

Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir unsere Entscheidung, weiterhin auf gemeinsame Hl. Messen zu verzichten, als richtig an. Maßstab unseres Handelns bleibt das Wohl um unseren Nächsten, verbunden mit dem Vertrauen auf Gottes Beistand.

Steffi Rohrdanz-Stas‘ und Berthold Schalk

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